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EIm Irrenhaus des öknonomischen Zwangs


In den 70er Jahren waren wir angeekelt von dem Fernsehprogramm und der gesamten Kultur der Erwachsen. Die allgemeine Verbreitung des Mediums Super 8, gab uns die Möglichkeit, selbst Filme zu machen. Wir brauchten niemanden um etwas zu bitten und konnten auf alles scheißen. Es gab keine Regeln und wir legten es nicht darauf an, jemandem zu gefallen. Wir wollten einfach nur machen, wozu wir Lust hatten. Die politisch radikale Filmerszene der 60er Jahre war für uns Lichtjahre entfernt. Eine Filmhochschule bedeutete in unseren Augen bereits ein inakzeptabler Zwang. Wir konnten das Material irgendwie selbst finanzieren und so etwas wie Geld damit zu verdienen, kam uns nicht in den Sinn. Das sahen wir als einen Ausverkauf. Es gab in den 70ern eine große Szene von Teenagern, die in Super 8 ihre eigenen Bildwelten schufen. Diese Filmer und auch diejenigen, die mit einem 16mm Projektor durch Kneipen und Jugendzentren zogen, um alternatives Kino zu machen, begannen sich zu organiseren. Daraus entwickelten sich teilweise Kommunale Kinos und Filminstitutionen, die heute noch existieren.

The Times They Are a-Changin’

Der ökonomische Druck überschattet heute alles. Ein großer Teil der Filminstitutionen und KoKis sind nur noch eine Karrikatur ihrer selbst, bzw. ihres ursprünglichen Anspruchs. Es ist nicht mehr viele übrig, getrieben von dem Willen einer Kultur einen Raum zu geben jenseits des kommerziellen Kulterubetriebs. In erster Linie geht es nun um den Erhalt der eigenen Jobs der in den Institutionen Beschäftigten. Es nimmt bisweilen absurde Züge an. Dazwischen gibt noch einige wackere Kämpfer für die Sache. Wie könnten wir vergessen, wie gut das Sprengel Kino in Hannover uns zu unserem 40. behandelt hat?

In der Filmszene selbst hechelt man auch igendwelchen Einkommensquellen nach. Das kann man in diesen Zeiten niemandem vorwerfen, doch man sieht es den Filmen an.

Wir selbst sind beim klassischen perforierten Film hängengeblieben. Weniger, weil das die Geschichte des Films darstellt und überhauptnicht, weil wir auf "retro" oder vintage" Look stehen würden. Es sieht einfach besser aus. Und wenn man anfängt mit Möglichkeiten der Bildverfremdung zu spielen, merkt man, daß dieses Feld noch längst nicht ausgelotet ist und die Ergebnisse viel überzeugender sind, als das Gros dessen, was die digitale Bildbearbeitung hergibt. Es gibt ein breites Interesse an dieser Art des Filmemachens, doch gleichzeitig gibt es einen enormen Druck von der Industrie, die die ihre Hard- und Software für das digitale Filmemachen verkaufen will und sich eine lästige Konkurrenz vom Leib halten möchte.

Dazu demnächst mehr.



LaborBerlin 2.0 Film Ain't Dead from LaborBerlin on Vimeo.



Wir haben verschiedene Programme im Angebot. Einige unserer letzten Werke gibt es auch bei Vimeo zu sehen.

Nachtrag: Einige der Filme sind nun auf diversen Festivals unterwegs.
 
 
  
filmgruppe chaos