Der Häuserfilm
  


Dieses Projekt war eigentlich nur als Unterstützung von uns Außenstehenden geplant, weil wir die Medienpropaganda gegen die Kieler Hausbesetzer nicht länger unwidersprochen hinnehmen wollten. So näherten wir uns langsam dem Leben in den besetzten Häusern, zogen z.T. auch ein, errichteten als Basis dort unser Chaos Film Studio und betrieben ein Jahr lang das KAOS KINO ausschließlich für 8mm Filme.

Wir dokumentierten Leben und politische Aktionen der Szene und das Film- und Tonmaterial wuchs und wuchs. Erst nach der Räumung der Häuser waren wir in der Lage der Materialflut Herr zu werden, falls man bei einem dreistündigen Werk davon reden kann. Zur Filmpremiere gab es einen gewaltigen Zuschaueransturm. Die Politszene feierte sich und die bürgerliche Presse fand den Film flach. Nach einigen Veranstaltungen kürzten wir die Kopie noch ein wenig. Doch lange Zeit war der Film viel gefragt und wurde meist in politischen Zusammenhängen vorgeführt.

Auf einem Solifestival ließ ein Punk die Kopie mitgehen, die ja ein Original war, denn nur die Filmkopie war vertont. Erst als alle Bands sich geweigert hatten an dem Abend weiterzuspielen, kam der Film wieder zurück. Einige Jahre später interessierte man sich nicht mehr sonderlich für Hausbesetzungen und auch wir beschäftigen uns mit anderen Dingen.

Der Film war nahezu in Vergessenheit geraten. 2002 wurden wir von den Organisatoren einer Party in einem Kieler Hochbunker gebeten den Film zu zeigen. Der Ton hatte miese Qualität nach den zahlreichen Veranstaltungen und der langen Lagerzeit, die einer magnetischen Tonspur sowieso nicht gut tut. Die Sprache war kaum noch zu verstehen. Doch das große und sehr junge Publikum verließ nicht den Saal, sondern hielt gespannt knapp drei Stunden durch und war fasziniert davon, daß im tristen Kiel eine solche Bewegung und brennende Barrikaden möglich waren.

Claudia, unsere Mitstreiterin aus Hausbesetzertagen, entschied an dem Abend den Film zu restaurieren. Sie wird in den Folgejahren bei dem Durchhören unbeschrifteter Interviewtonbänder und dem Aufspüren alter Schallplatten diese Entscheidung bereut haben, doch ihre Mühe hat sich gelohnt.

Die Premiere der aufgearbeiteten und digitalisierten Fassung wurde die bestbesuchte Veranstaltung des Kommunalen Kinos Kiel. Es wurde wegen des erwarteten Besucheransturms statt des Kinosaals der Konzertsaal der Pumpe zur Vorführung gewählt und während des großen Andrangs noch zusätzlich bestuhlt, trotzdem war bereits eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn ausverkauft. Spontan wurde ein Paralellveranstaltung in der Alten Meierei organisiert, einen Selbstverwalteten Zentrum, das aus den Hausbesetzungen hervorgegangen ist.

Die alten Aktivisten wollten sich wieder sehen und ihren Kindern zeigen, was sie damals getrieben haben. Viele Junge sind auf der Suche nach Ansätzen, wie man an den versteinerten Verhältnissen rütteln kann. Wir sind glücklich darüber dem Anspruch, daß man den Herrschenden nicht die Geschichtsschreibung überlassen darf, mit dem Film ein Stück weit gerecht wurden. Es ist nach unserem Wissen der einzige Film aus der deutschen Hausbesetzerbewegung der frühen 80er, der seinen Blick auch auf die Schwächen und den Niedergang der Bewegung gerichtet hat.

Wer Interesse an einer Veranstaltung mit dem Film oder an den wenigen übriggebliebenen Presse-DVDs hat, meldet sich am Besten per Mail.



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Der Häuserfilm (Trailer) from Filmgruppe Chaos on Vimeo.





  
  
Presse
 
Kieler Rundschau 22.3.84
Veranstaltungsankümdigung 3/84
Premiere der restaurierten Fassung (infomedia-sh.de)
Infomedia-sh.de Nachbesprechung)
[SUPER8.LOG] zum Häuserfilm
Alte Meierei zur Arternativpremiere


Häuserfilm Vorführung in Tianjin, China

 
 
 
 
filmgruppe chaos